Zürich geht aus
2006/2007 - Zürichs begehrteste Tische
Gemütliche Beizen für Geniesser: Rang 1
Die wenigen Plätze im Hirschberg gehören zu den begehrtesten
in der Zürcher Gastronomie. Immer wieder war das Lokal mit den
rund zehn Tischen ausgebucht, wenn wir uns am Mittag entschieden,
abends dort essen zu wollen. Am besten eine bis zwei Wochen im
Voraus reservieren, raten Habitués. Endlich schafften wir es an
einem Mittag, und wie gingen hin, um zu ergründen, was denn die
Faszination dieser kleinen Beiz mit "Chuchitüechli" als Tischtücher
auf den alten Bistrotischchen ausmacht. Und wir wurden fündig.
Als erstes fiel die charmante Bedienung auf.
Als zweites die interessante Weinauswahl vorwiegend italienischer
Provenienz - und wir liessen uns mit einem Glas das kräftigen
und fruchtigen Santagostino bianco (Fr. 7.80/dl) aus Sizilien
auf die "cucina mediterranea" einstimmen.
Zum dritten überzeugte das auf zwei Gängen basierende Menükonzept.
Vier Vorspeisen und vier Hauptgänge lassen sich am Mittag beliebig
kombinieren, der Peis wird durch den Hauptgang bestimmt.
Wir kosteten die Tagliolini an einer leicht zitronigen Sauce und
Mozzarella di bufala mit grillierten Zucchinischeiben. Beides
gefiel gut. Ebenso die Fortsetzung im Weinglas mit einem roten
Tropfen aus dem sizilianischen Haus Firriato: Der kraftvolle Camelot
2003, war schön zu den Lammmedaillons auf schwarzem Risotto Venere.
Fein schmeckten auch die zarten, dünnen Schweinsschnitzel an einer
Sherrysauce mit Risotto.
Befund vier: Das Essen ist fein.
Da man hier gerne noch etwas länger sitzt, teilten wir uns zu
zweit ein kleines Käseplättchen, das mit einem halben Dutzend
Köstlichkeiten aus Italien, Spanien und Frankreich bestückt war,
darunter einen wunderbaren Epoisses. Der salzige Käse schrie nach
etwas Süssem, und wir liessen uns auch noch zu einer leckeren
Crema catalana hinreissen. Und als uns das Angebot an Süssweinen
gezeigt wurde, müssten wir alle Vernunft über den Haufen werfen,
dann dabei war auch unser Liebling: der Torcolato von Maculan,
ein "passito naturale" aus an der Luft getrockneten Trauben. Einfach
himmlisch.
Und eines steht fest: Wir werden bald wieder versuchen, an einem
Abend einen Tisch im Hirschberg zu bekommen.
2005/06 - Es gibt keine Hirsche
Zürcher Trendsetter: Rang 3
Seiler- und Hirschgraben trennen sittlich die Hochschulen vom
Vergnügungsviertel in der Altstadt. Auf dem Trottoir draussen
vor dem Restaurant Hirschberg lockt aber, Verkehr und Wetter trotzend,
ein einladend gedeckter Tisch Studenten und Dozenten vom Berg
herunter und Ladenbesitzer und Büroler aus dem Niederdorf herauf.
Draussen sitzen mag man zwar nicht, aber die Wirtschaft ist so
schön gemütlich und geschmackvoll mit altem Bistromobiliar eingerichtet,
dass man die Welt draussen schnell und gern vergisst.
Heute gibt es im Hirschberg keine Hirsche aus dem nahen Hirschengraben
mehr, dafür aber Hasen, Schweine und andere feine Sachen aus einer
veredelt ländlichen italienischen Küche. Und wie es sich in Italien
auf dem Land gehört, werden zu einer Mahlzeit immer gleich zwei
Gänge vorgeschlagen. So gelten die Preise immer für ein Zweigangmenü,
wobei die je fünf Vor- und Hauptspeisen beliebig kombiniert werden
können. Wirtin Catherine nimmt sich Zeit und erklärt die Karte
im Detail.
Unsere Pasta mit Hasenragout hatten einen unaussprechlichen Namen,
aber einen äusserst ansprechenden Geschmack, das Ragout war kräftig,
aber nicht zu stark, die Pasta genau richtig gekocht, um ein Vielfaches
besser als bei den unzähligen Fliessbanditalienern und geklonten
Pizzerien dieser Stadt. Eine leicht süssliche Art von Ratatouille
aus Süditalien, ebenfalls wieder mit eigenwilligem Namen, passte
gut zum zarten Büffelmozzarella. Die Hauptspeise, ein filetto
di maiale mit Polenta, war gut, wenn es auch etwas dicker geschnitten
eher Saft bewahrt hätte. Klingende Namen wie Elena Walch, Bruno
Giacosa und Silvio Jermann sagen dem Liebhaber genug, um zu wissen,
dass auch das Weintrinken hier ernst genommen wird. Dazu werden
ausgesuchte Käse serviert (14.--). Über Mittag bekommen wir glasweise
puren Toscana-Duft, einen Anagallis von den Principi Ruspoli (9.90
pro dl).
Abends werden die Stoffservietten hervorgesucht und das gleiche
Prinzip wie mittags, jetzt aber mit mehr Musse gepflegt. Das Lokal
öffnet erst um 19.00 Uhr, denn das Wirtepaar weiss, dass es den
Gästen so gut gefällt, dass sie den Tisch bloss einmal verkaufen.
Und um in diesen Genuss zu kommen, empfiehlt es sich, für ein
Abendessen ein bis zwei Wochen im Voraus zu reservieren. Anfang
Woche kann man manchmal eher Glück haben.
|